Ab 1. November 2012 müssen Neureifen für Pkws, Leichttransporter und Lkws durch das neue EU-Reifenlabel gekennzeichnet werden

Ab 1. November 2012 müssen Neureifen für Pkws, Leichttransporter und Lkws durch das neue EU-Reifenlabel gekennzeichnet werden

Luxemburg, 8. November 2011 -
Ist in einem Jahr der Reifenkauf so einfach wie der Erwerb eines Kühlschranks? Ab 1. November 2012 soll ein neues Label die Kaufentscheidung leichter machen. Denn ab diesem Zeitpunkt gilt in der EU eine einheitliche Kennzeichnungspflicht für Neureifen. Sie betrifft alle Pkw-Reifen sowie Leichttransporter- und Lkw-Reifen, die ab dem 1. Juli 2012 produziert werden. Als Vorbild dient das bereits bekannte Effizienzlabel für Kühlschränke oder Waschmaschinen.

Drei entscheidende Eigenschaften
Im Gegensatz zu Haushaltsgeräten wird die Reifenkennzeichnung aber nicht nur die Effizienz - in diesem Fall den Verbrauch - berücksichtigen, sondern auch Sicherheitsaspekte und die Geräuschentwicklung, erklärt uns Jean-Pierre Jeusette, Generaldirektor des Innovationszentrums von Goodyear Dunlop in Luxemburg. Das EU-Reifenlabel soll über drei zentrale Produkteigenschaften eines Pneus informieren: den Rollwiderstand, die Nasshaftung sowie das Außengeräusch beim Abrollen.

EU legt Kriterien anspruchsvoll aus
Das Zapfsäulensymbol auf der 7,5 mal elf Zentimeter großen Kennzeichnung steht für den Rollwiderstand des Reifens. Je niedriger er ausfällt, desto geringer ist der Verbrauch eines Fahrzeugs. Möglich sind die Einstufungen A bis G. Um in Europa überhaupt zugelassen zu werden, muss ein Reifen künftig den Mindeststandard G erreichen. A stellt die Bestnote dar. Bei Goodyear Dunlop betont man, dass die Anforderungen für die A-Bewertung sehr hoch gesetzt sind und zunächst schwer zu erfüllen sein werden. Mit ihren anspruchsvollen Kriterien will die EU vermeiden, dass - wie bei Kühlschränken üblich - die Klassifizierungen bis A+, A++ oder A+++ ausgereizt werden müssen, um für den Verbraucher Unterschiede deutlich zu machen.

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Bis zu 18 Meter kürzerer Bremsweg
Das Regenwolkensymbol auf dem Reifenlabel kennzeichnet die Haftung auf nasser Fahrbahn. Dies spielt für die Verkehrssicherheit eine große Rolle, denn Reifen mit guter Nasshaftung können den Bremsweg deutlich verkürzen. Auch diese Kategorie wird mit A bis G bewertet. Wie wir bei Tests auf dem Goodyear-Gelände in Luxemburg überprüfen konnten, kann der Unterschied des Bremswegs zwischen einem Reifensatz der Klasse A und der Klasse G bei einem Pkw der Golf-Klasse, der auf nasser Fahrbahn mit 80 km/h unterwegs ist, bis zu 18 Meter betragen.

Viermal so laut
Als Drittes findet sich auf dem neuen Reifenlabel ein Lautsprechersymbol. Damit wird die Geräuschentwicklung dargestellt, die ein Reifen erzeugt, wenn er auf der Fahrbahnoberfläche abrollt. Die Geräuschemission wird in Dezibel angegeben und zusätzlich durch ein, zwei oder drei Schallwellen symbolisiert. Ein Reifen, der mit drei schwarzen Wellen gekennzeichnet ist, kann bis zu sechs Dezibel mehr Geräusche produzieren als einer mit nur einer schwarzen Welle - das bedeutet ein rund vierfach höheres Geräuschniveau.

Hersteller klassifizieren selbst
Für den Test und die Einstufung jedes Reifentyps und jeder Reifengröße sind die Hersteller selbst verantwortlich. "Für diese Selbstzertifizierung werden Testmethoden verwendet, die von der EU genau definiert sind", erklärt Emmanuel Robinet, der Leiter der Reifenbewertung bei Goodyear Dunlop. "Anschließend obliegt es den nationalen Behörden zu überwachen, ob diese auch befolgt wurden." Wie diese Überwachung aussehen soll, ist allerdings noch nicht klar.

Label darf noch nicht geführt werden
Auch wenn die EU-Reifenlabel-Verordnung erst im November 2012 in Kraft tritt, können Reifenhersteller das Label schon vor der verbindlichen Einführung nutzen. Momentan dürfen die Kennzeichnungen allerdings noch nicht geführt und veröffentlicht werden. Der Grund ist, dass die Nasshaftungs-Anforderungen für Leichttransporter und Lkw noch nicht definiert sind. Das soll allerdings noch 2011 passieren. Dann wird voraussichtlich auch feststehen, ab wann die Reifenhersteller mit der neuen Kennzeichnung arbeiten dürfen. Wer jetzt also Winterreifen kauft oder im Vorgriff aufs kommende Frühjahr schon Sommerreifen, der muss noch ohne das Label auskommen.

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